öffentliche, halbprivate und private Schulen in Spanien

Unterschiede, Vorteile und Nachteile der verschiedenen Schultypen

Geschrieben von Ismael N. am 25. August 2014

Zugegeben! Das Thema dieses Eintrags hört sich nicht sooo spannend an.
Tatsächlich sind oft die Themen, die mit Schule und Schulsystem zu tun haben, nicht sehr aufregend. Ich, persönlich, kann mir unterhaltsamere Sachen vorstellen.

Warum dann darüber schreiben?

Aus einem einfachen Grund:

Die Unterschiede zwischen einer öffentlichen, einer halbprivaten und einer privaten Schule in Spanien ist ein wichtiges Thema für Austauschschüler!

Jeder Austauschschüler muss sich früher oder später mit diesem Thema auseinandersetzen. Insbesondere sind Schüler davon betroffen, die auf Schulnoten oder das Belegen bestimmter Fächern, wie Latein oder Französisch, angewiesen sind. Die Suche nach einer internationalen Schule hat auch damit zu tun.

Ich möchte nicht über den Sinn oder Unsinn dieses Systems diskutieren.

Nein.

Vielmehr möchte ich Dir gerne über die Unterschiede der Schultypen erzählen. Auch worauf Du achten solltest, bevor Du Dich für die eine oder andere Schule entscheidest ( vorausgesetzt, dass Dir diese Möglichkeit von Deiner Organisation angeboten wird ).

  1. Statistik: Daten, Daten, Daten
  2. Wie alles begann
  3. “Colegio público”: die öffentliche Schule
  4. Die halbprivaten Schule: “Los Concertados“
  5. “Los privados”: die privaten Schule
  6. Die Qual der Wahl

1. Statistik: Daten, Daten, Daten

Keine Panik! Ich werde Dich nicht an dieser Stelle mit einer Welle an Daten und Statistiken überschütten. Ich möchte Dir viel mehr mit bestimmen Daten bekannt machen. Damit bekommst Du einen allgemeinen Überblick über die Lage.

Um welche Daten handelt es sich denn?

1. Daten: Es gibt drei Schultypen in Spanien, die das Bildungsangebot, von Schule bis Gymnasium, ausmachen.
Anmerkung: Mit dem Begriff “escuela” oder „colegio“ wird sowohl die Grundschule, die Oberstufe als auch Gymnasium (Instituto) gemeint. Die folgende Aufteilung ist gleich für alle Stufen.

Diese Drei Typen sind:
I. “la escuela pública”( öffentliche Schule)
II. “la escuela concertada” (halbprivate Schule)
III. “la escuela privada”( private Schule)

Laut dem spanischen Bildung-, Kultur- und Sportministerium (MECD) gab es letztes Schuljahr (2013-2014) 27.790 funktionierende Bildungszentren in ganz Spanien. Davon waren 18.855 öffentlich. Der Rest war privat bzw. halbprivat.

2. Daten: Der Hauptunterschied zwischen diese drei Schultypen liegt vor allen bei ihrer Leitung und Finanzierung.

3. Daten: In Schuljahr 2013-2014 wurden laut offiziellen Angaben 8.087.347 Schüler in Spanien weit eingeschrieben. Alle spanischen Schüler besuchten eine dieser drei Schultypen. 68,3% dieser Schüler waren in öffentlichen Schulen eingeschrieben. Der Rest hatte Unterricht in einer halbprivaten oder privaten Schule.

Warum diese Daten?

Wie Du sehen kannst, ein großer Teil der spanischen Schüler besucht eine öffentliche Schule. Es gibt aber auch einen guten Teil von Schülern, die sich für eine halbprivate bzw. private Schule entscheiden.
Wer welche Schule besucht, hängt mit der Entscheidung der Eltern und Schüler aufgrund von Prioritäten, Vorlieben oder Bedürfnisse der Familien.
Dazu kommen wir gleich.

2. Wie alles begann

Bevor ich die Merkmale, Pros und Contras jedes Schultyp erkläre, würde ich gerne kurz erläutern, wie es zu diesen verschiedenen Schulen kam.

Denn wie so oft im Leben versteht man durch die Vergangenheit besser die Gegenwart.

Bis 1985 hatten die konservativen Kräfte in Spanien bei allen Bildungsthemen viel, eigentlich zu viel, zu sagen. Die damals gerade gewählte sozialdemokratische Partei wollte diese Situation ändern und die Bildungspolitik in allgemeinen erneuern. Bildung sollte zugänglicher, gerechter und mehr laizistisch werden.
Was haben sie sich dann einfallen lassen ? Ganz einfach. Sie brachten an diesem Jahr ein neues Bildungsgesetz, L.O.D.E . (Ley Orgánica del Derecho a la Educación). Eine der großen Neuigkeiten dieses Gesetz war die Erschaffung einer neuen Schultyps.
“Los concertados” (die halbprivaten Schulen) wurden erschaffen!
Der spanische Staat wollte mit diesem neuen Schultyp zwei Fliegen mit einer Klappe töten. Zuerst das Angebot an öffentlichen Schulplätze erweitern ohne das Budget zu überstrapazieren. Zweitens, die staatliche Gelder kontrollieren, die die privaten Schulen erhalten sollten.
Ab diesem Moment konnten Eltern und Schüler zwischen öffentlichen, halbprivaten und privaten Schulen wählen.

3. “Colegio público”: die öffentlichen Schulen

Die öffentliche Schulen sind in Spanien, wie in jedem anderen Land, öffentlich, laizistisch und staatlich geleitet und finanziert. Schulleitung und Lehrer sind Beamten. Die Unterrichtsmethoden und Schulplan richten sich nach den Vorgaben des jeweiligen regionalen Bildungsminisiteriums.
Ich habe “regional” aufgehoben, da es für ein Austauschschüler je nach Aufenthaltsregion große Unterschiede geben kann.
Wieso?
Ist die Schule für alle Spanier nicht gleich? JAIN
Jede “comunidad Autonoma” (Autonomische Region) in Spanien kann über ihre eigene Bildungspolitik bestimmen. Natürlich im Rahmen eines nationalen Schulplans, aber mit gewisser Flexibilität.
Daraus ergeben sich je nach Aufenthaltsort große Unterschiede. Die Schule wird nicht gleich in Sevilla wie in Barcelona sein. Diese Unterschiede äußern sich zum Beispiel bei der Kommunikationssprache.
Wo finde man das? In Barcelona und Region, Galizien oder Baskenland.

Vorteile:

  • Kommunikationssprache: nur Spanisch (Ausnahmen: Katalonien, Galizien und Baskenland*)
  • Aufnahmebedingungen: freier Zugang
  • Schulkosten: keine Gebühren, keine Monatsbeiträge (nur Material)
  • Schulunterlagen: Ministeriumskonform.

Nachteile:

  • Kommunikationsprache: Regionalsprachen im Unterricht.(*)
  • Lerninhalte: u.U. niedriges Schulniveau
  • wenige Unterstützung
  • Lernmethoden: Frontalunterricht ist die Regel

(*) Ein Aufenthalt in Regionen mit Katalan, Baskisch oder Galizisch ist mit mehr Schwierigkeiten verbunden. Diese Sprachen sind beispielsweise im Unterricht nicht zu umgehen.

4. Die halbprivaten Schule: “Los Concertados”

Die genannten “Concertados” sind eigentlich privaten Schulen. Sie werden dagegen vom Staat mitfinanziert , d.h. sie bekommen öffentliche Gelder.
Die Familie müssen weiterhin, wie bei ganz gewöhnlichen privaten Schulen, bezahlen. Durch die staatliche Mitfinanzierung sind dennoch die Gebühren und Beiträge wesentlich geringer als bei ganz privaten Schulen. Bezahlen muss man trotzdem.
Die staatlichen Finanzhilfen sind aber nicht umsonst! Sie sind mit konkreten Bedingungen geknüpft. Folgend einigen davon:

  • Gleichen Aufnahmekriterien wie bei öffentlichen Schulen.
  • Schulkalender und -plan wie bei öffentlichen Schulen.
  • Eltern, Lehrer und Schüler sollen Teil vom Schulrat (auch eine Neuigkeit dieses Bildungsgesetzes) sein und haben Stimmrecht bei der Wahl von Schulleiter und Vertrieb der Schule.

Welche Vorteile und Nachteile hat ein Austauschschüler bei halbprivaten Schulen?

Vorteile:

  • Einschreibung: diese Schulen sind flexibler bei der Aufnahme und Einschreibung von neuen Schülern.
  • Wahlfachangebot: sie bieten u.U. mehr Wahlfächer und zusätzliche Kurse an
  • Hilfsmittel: sie verfügen in der Regel über mehr Hilfsmittel und Material
  • Unterstützung: sie helfen und integrieren besser neuen Schüler

Nachteile:

  • Einschreibungsgebühren: man muss Gebühren bezahlen.
  • Monatsbeiträge: Monatliche Bezahlung sind pflichtig.
  • Unterrichtsmethoden: sie unterscheiden sich nicht unbedingt zu öffentlichen Schulen.

5.  “Los privados”: die privaten Schulen

Die privaten Schulen sind im Grunde Lehrunternehmen, d.h. die Schüler finanzieren die Schulen durch dir regelmäßige Bezahlung von Beiträgen. Sie haben absolute Freiheit bei der Leitung und Vertrieb der Schule und verfügen über mehr Freiheit bei der Gestaltung von Studienplänen und Fächerangebot.
Unter dieser Kategorie findest Du Internate, katholische Schulen oder die sogenannte “international” oder bilinguale Schulen. Diese letzten unterrichten nicht nur in Spanisch, sondern in Englisch, Deutsch oder Französisch beispielsweise.

Vorteile:

  • Wahlfachangebot: sie bieten mehr Wahlfächer und zusätzliche Kurse
  • Hilfsmittel: sie verfügen über mehr Hilfsmittel und Material
  • Unterstützung: sie helfen und integrieren besser neue Schüler
  • Bilingualunterricht, Fremdsprachen

Nachteile:

  • Kommunikationssprache: Spanisch ist nicht die Hauptsprache
  • Bilinguale und internationale Schulen sind NICHT in allen Regionen vorhanden
  • Aufnahmebedingungen: u.U. Aufnahmeprüfungen, gute Schulnoten oder Vorstellungsgespräche werden verlangt
  • Schulkosten: Gebühren und Monatsbeiträge
  • andere Kosten: Sportaktivitäten, Schuluniform, etc.
  • u.U. Elitär
  • Hohe Lerndruck

6. Die Qual der Wahl

Mir ist nicht möglich, eine klare Empfehlung zu geben, ohne die Wünsche und Bedürfnisse des Schülers zu kennen.

Deswegen möchte ich Dir folgendes zu Bedenken geben:

  • Die öffentliche Schule ist die richtige Wahl für Dich, wenn Du dir Kosten sparen möchtest und keine Schulnoten oder bestimmten Fächer brauchst.  Wenn es Dir vor allen Dinge darum geht, Spanisch zu üben und spanische Freunde zu machen, dann ist diese Option die beste.
  • Die halbprivaten Schule sind die bessere Option, wenn die Schulleistung wichtig ist und Du Dir etwas mehr Unterstützung von der Schule wünschst. Du muss aber mehr Kosten in Kauf nehmen. Um Spanisch zu lernen und Leute zu kennen ist es auch eine genau so gute Wahl wie eine öffentliche Schule.
  • Die privaten Schulen sind interessant für Dich, wenn die Schulleistung und -niveau höher sein soll.  Auch wenn Du eine bilinguale bzw. Internationale Schule besuchen möchtest, dann solltest Du Dich für eine private Schule entscheiden. Für das entsprechendes Schulangebot und -konzept sind Kosten zu berücksichtigen. Bei internationalen und bilingualen Schulen wirst Du demzufolge nicht so oft Spanisch hören und sprechen.

Selbstverständlich gibt es immer Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Rücksprache mit der Organisation ist der beste Weg, die richtige Entscheidung zu treffen. Außerdem solltest Du die Ratschläge und Empfehlungen der lokalen Betreuer nie außer Acht lassen.
Falls Du irgendwelche Fragen hast oder Hilfe brauchst, schreibe mir!
Saludos