Wie man sich nach 2 Monate Austausch in Spanien fühlt

Über positive und auch negative Erfahrungen im Austausch

Geschrieben von Joana R. am 19. November 2012

Nach fast acht Wochen in Spanien kann ich sagen, dass ich das Land bereits in mein Herz geschlossen habe. Dazu gehören allerdings nicht nur positive Erfahrungen – im Gegenteil.

Aber von Anfang an: Ich bin Joana, 15 Jahre alt, komme aus Norddeutschland und verbringe dieses Schuljahr in Valencia, der drittgrößten Stadt Spaniens. Schon Monate vorher konnte ich es kaum erwarten, endlich anzukommen

Am 2. September war es dann endlich soweit: Alle Vorbereitungen waren getroffen, Koffer gepackt, Freunde und Familie verabschiedet; all dies ohne zu realisieren, was es wirklich heißt, zehn Monate ohne sie zu verbringen. Die allerletzten Verabschiedungen am Flughafen und schließlich der Flug sind wie ein Schleier an mir vorbeigezogen, doch dann war ich endlich da. Spanien, Barcelona. Strahlender Sonnenschein empfing mich, und vom Flughafen ging es quer durch die Stadt in die Jugendherberge, wo wir Austauschschüler uns kennengelernt haben. Aus der Vorbereitungswoche habe ich viel mitgenommen. Es war super, andere Austauschschüler zu treffen, denen es im Großen und Ganzen ähnlich geht, und nicht zuletzt haben wir eine total schöne Stadt kennengelernt, die jede Reise wert ist. Auch im Spanischunterricht habe ich wegen der kleinen Gruppe und dem engagierten Lehrer viel gelernt.

Doch der Moment, an dem ich meine Gastfamilie zum ersten Mal sehen würde, rückte immer näher, und als ich dann schließlich im Zug saß, war ich so aufgeregt wie nie zuvor. Immerhin hängt von der Gastfamilie ein großer Teil des Austauschjahres ab.
Am Bahnhof wartete meine Gastmutter mit ihrem Hund Luke zusammen mit meiner Betreuerin und deren Tochter. Als ich ihnen gegenüberstand, war das ein total mulmiges Gefühl. Schon bald ging es in die Wohnung mitten in der Stadt, und ich habe meine beiden älteren Gastschwestern kennengelernt. Das war dann also meine Familie auf Zeit, die so fremd auf mich wirkte und mit der ich nichts gemein zu haben schien.

Erfahrungsbericht von Austauschschülerng aus Valencia

Dass ich in der ersten Woche noch nicht zur Schule ging, hat mir Zeit gegeben, mich an meine Gastfamilie und die fremde Umgebung zu gewöhnen. In dieser Woche haben sie mir die Umgebung gezeigt, was dank der guten Lage der Innenstadt und der Altstadt entspricht, oder aber ich bin auf eigene Faust losgegangen (und habe mich auch schon so manches Mal verirrt…). Ansonsten habe ich viel gelesen – auf Spanisch. Ich habe mich mit einem Wörterbuch hingesetzt und mich durch ein paar Kinderbücher durchgekämpft. Nach drei Wochen hatte ich dann mein erstes „richtiges“ Buch durchgelesen (seitdem bleibt mir kaum noch Zeit zum Lesen…). Es ist auf jeden Fall weiter zu empfehlen, sich ans spanischsprachige Umfeld anzupassen, seien es Filme, Bücher, Zeitschriften oder einfach nur spanische Musik.

Und ansonsten gilt immer: Je mehr man spricht, desto besser (jedenfalls bei solch schüchternen Menschen, zu denen ich leider gehöre). Das ist bis jetzt nicht viel besser geworden, und so kommt es, dass mir das Sprechen immer noch am Schwierigsten fällt. Gerade vom Verstehen her hat sich mein Spanisch schon sehr viel verbessert, in der Schule komme ich mit Hilfe von meinen Mitschülern soweit mit und kann ganz normal die Arbeiten mitschreiben (natürlich nur mit Wörterbuch und gefühlten 1000 Fehlern!). Wider Erwarten ist Schule anspruchsvoll bzw. man muss viel lernen, und so kommt es, dass ich nachmittags fast nur an den Hausaufgaben sitze. Aber der Nachmittag ist auch viel kürzer, denn alles ist um zwei oder drei Stunden nach hinten verschoben – das führt natürlich auch zu einem Schlafdefizit.

Mein Spanisch ist wohl bisher die schwierigste Hürde, und sie ist längst noch nicht überwunden. Das Problem ist aber nicht (wie man wohl denken würde), dass ich so schlecht Spanisch kann (das ist normal; alle sind total offen mir gegenüber und helfen), sondern dass meine Gastmutter sehr ehrgeizig ist und zusätzlich mein Spanisch überschätzt. Das äußert sich darin, dass sie jeden zweiten Satz korrigiert und selbstverständlich davon ausgeht, dass ich alles verstehe, was sie sagt. Nach einem Gespräch mit einem Betreuer habe ich dann bei der nächsten Gelegenheit ein paar Tage später mich überwinden können, das anzusprechen. Jetzt lässt sie mich erst einmal besser in die Sprache reinkommen, bevor sie mich korrigiert. Das nur mal als Beispiel für ein Problem, was man haben kann.

Nach einer Woche fing dann die Schule an. Die ersten Schultage waren im Grunde genommen langweilig, denn schon nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an das neue Umfeld, lernt langsam die Namen und schon bald geht der Unterricht richtig los. Auch wenn man es nicht glaubt: Eigentlich ist es gar kein so großer Unterschied und die Aufregung nicht wert. In den ersten Tagen habe ich gleich gemerkt, was immer mit der Fröhlichkeit und Offenheit der Spanier gemeint ist (was ich in meiner Gastfamilie immer ein bisschen vermisse): Der Einstieg war dank meinen Klassenkameraden kein Problem; eine hat mich gleich zum Softball-Training eingeladen (was ich jetzt zweimal wöchentlich mache), und eine andere Gruppe von Mädchen hat nach drei Wochen angefangen, mich hin und wieder mitzunehmen, ohne dass wir uns groß kennen.

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Das größte Problem ist allerdings meine Schüchternheit, denn auch wenn ich inzwischen öfter mal was mit Leuten aus meiner Klasse mache, rede ich trotzdem nur wenig mehr als in meiner Gastfamilie (wo ich wirklich selten rede). Das wird wohl mein Projekt für die nächste Zeit.

Auf jeden Fall bin ich inzwischen nicht mehr auf die Tochter meiner Betreuerin oder andere Austauschschüler „angewiesen“, weil ich nach und nach Kontakte zu denen aus meiner Klasse knüpfe. Bis ich die aber Freunde nennen kann, dauert es wohl noch ein bisschen.