Mein erster Monat als Spanierin

Erfahrungsbericht einer deutschen Austauschülerin in Huelva

Geschriben von Lea M. am 22. Oktober 2013

Ich bin Lea, 16 Jahre alt und lebe jetzt seit einem Monat in Huelva. (80km von Sevilla entfernt) Mein Austausch hat eigentlich schon im Juni angefangen. Nachdem ich mich Mitte Mai dazu entschlossen hatte ein Auslandstrimester in Andalusien zu verbringen, dauerte es nicht lange bis Ismael mir Besche ab, dass man eine Gastfamilie für mich gefunden hatte. Meine zukünftige Familie bestand aus Mutter, Vater ( der während meines Aufenthaltes leider aus Arbeitsgründen nicht da sein würde), zwei Gastschwestern (17 & 14) und einem Hasen. Ich würde mir mit der älteren Gastschwester ein Zimmer teilen und auch auf die selbe Schule wie sie gehen.Als ich das las, war ich froh anfangs jemanden an meiner Seite zu haben, der mir vieles zeigen konnte.

Ich nahm mit meiner Gastschwester per E-Mail Kontakt auf und nach einiger Zeit stiegen wir auf WhatsApp um. Wir schrieben viel miteinander. Vorzugsweise auf Englisch aber auch auf Spanisch. Einmal erzählte ich meiner Patentante von meiner Gastfamilie und sie meinte, dass man von dem, was ich alles über die Familie weiß und wie ich von ihr erzähle, meinen könnte, ich wäre schon mal bei ihnen in Spanien gewesen. Deshalb hatte ich auch keine Bedenken mehr, dass es mit der Familie Probleme geben könnte, denn ich hatte mir im Vorfeld viele Sorgen wegen einem Familienwechsel gemacht. Das zusammen mit dem Verständnis der Sprache war meine einzigste Angst, die mir wirklich bewusst war

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Die Zeit bis zu meinem Abflug verging schnell. Es waren Sommerferien, danach hatte ich noch knapp einen Monat in der deutschen Schule und dann ging mein Abenteuer auch schon los. Als erstes ging es zum Einführungswochenende nach Barcelona. Das Wochenende war toll. Wir haben viele Sachen über Spanien, seine Einwohner und den Austausch erfahren. Außerdem haben wir Barcelona besichtigt und der Austausch mit Menschen aus der ganzen Welt hat mir gut gefallen. Mit einigen habe ich auch jetzt noch Kontakt und es ist schön sich mit jemanden austauschen zu können, der gerade in einer ähnlichen Situation ist. Endeffekt kann ich das Einführungswochenende nur jedem empfehlen.

Sonntags morgens ging es dann mit dem Zug nach Sevilla, wo mich meine Gastfamilie abholen sollte. Während der Zugfahrt wurde mir erstmals wirklich klar, dass ich meine Familie und Freunde 3 Monate nicht sehen würde und in einer völlig fremden Umgebung leben würde. Außerdem kamen mir Zweifel auf. War es wirklich eine gute Idee gewesen mit Schulkenntnissen in Spanisch nach Spanien zu gehen? Werden die Spanier wirklich so offen sein, wie immer gesagt wird? Doch diese Zweifel verflogen, als ich im Bahnhof von Sevilla ankam und meine Gastfamilie zusammen mit meiner Gastcousine und ihrem freund das „Willkommen Lea“-Schild hoch halten, sah. Wir gingen noch in Sevilla essen und sie redeten viel mit mir, obwohl ich nur wenig verstand. Als wir in meinem neuen Zuhause ankamen, begrüßten mich meine jüngere Gastschwester und ihre Freundin.

Der erste Tag verging schnell und am nächsten Tag ging auch schon die Schule los. Die Direktorin begrüßte mich auf Englisch und stehlt mir meinen Klassenlehrer vor. Da die Klassen in diesem Jahr ganz neu zusammengesetzt wurden, bemerkte am Anfang niemand, dass ich keine Spanierin war. Doch als mein Lehrer das meiner neuen Klasse mitteilte, stand ich erst mal im Mittelpunkt. Fünf Spanier redeten gleichzeitig auf mich ein und ich verstand nur Bahnhof. Das hat sich bis aber schon sehr verbessert. Ich verstehe sehr viel und manche Lehrer reden in der Schule auch Englisch mit mir. Außerdem habe ich in der Schule extra Spanischunterricht, was mir sehr hilft. Was ich auf jeden Fall jetzt schon über die spanische Schule sagen kann, ist, dass die Klassen groß (32 Leute) und laut sind. Die Lehrer werden freundschaftlich behandelt und vielleicht aus dem Grund oftmals nicht ernst genommen. Meine Mitschüler rufen so gut wie alles rein und ich bin die Einzige, die sich meldet. Deshalb werde ich von den Lehrern meistens nicht wahrgenommen.

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In meiner Gastfamilie war anfangs noch alles gut. Mit meiner Gastmutter und meiner Gastcousine erkundete ich in der ersten Woche Huelva. Nur mit meine ältere Gastschwester hatte ich Probleme. Im Laufe der ersten Woche redete sie immer weniger mit mir und freitags sagte sie noch nicht mal „Guten Morgen“. Also versuchte ich am selben Tag den Grund für ihr Verhalten herauszufinden. Ich ging zu meiner Gastcousine, zu der ich ein gutes Verhältnis hatte und schilderte ihr mein Problem. Sie sagte mir, dass meine Gastschwester Probleme mit der Schule hatte und deshalb traurig sei. Ich verstand trotzdem nicht, warum sie dann nicht mit mir redete. Deshalb suchte ich am nächsten Tag nochmal das Gespräch mit meiner Gastmutter und sagte ihr auch, dass ich mit meiner Gastschwester geredet hatte und sie meinte, es sei alles Ok. Daraufhin gab es ein Gespräch zwischen meiner Gastschwester und ihrer Mutter, aus dem herauskam, dass sie nicht wusste was sie mit mir reden sollte und Probleme damit hatte, sich mit mir ein Zimmer zu teilen. Ich wartete das Wochenende ab, ob sich etwas veränderte. Doch im Gegenteil, meine Gastschwester stellte Regeln für mich auf und war auch schlecht zu ihrer Mutter. Sie ließ sich die ganze Zeit bedienen und wollte mir zeigen, dass sie etwas Besseres war. Also benachrichtigte ich meine Betreuerin Ana und wir wollten uns am nächsten Tag treffen. Vor dem Treffen rief Ismael bei mir an und fragte, was bei mir los sei. Ich schilderte ihm die Situation und er erzählte mir von einem ähnlichen Fall vor zwei Jahren. Er sagte mir auch, dass es nicht meine Schuld sei, denn in dieser Woche habe ich oft an mir gezweifelt und wäre am liebsten wieder nach Hause geflogen. An dieser Stelle will ich erwähnen, dass man das Heimweh in den ersten Wochen nicht unterschätzen sollte. Des weiteren sagte Ismael auch, dass ich mit Ana eine gute Lösung finden würde und er sich am nächsten Tag nochmal melden würde. Ana ließ sich meine Situation auch nochmal genau erzählen und gab mir zwei Optionen. Ich könnte noch abwarten und gucken ob sich die Situation veränderte oder ich könnte die Familie wechseln. Da ich nicht an eine Veränderung glaubte, entschied ich mich für einen Familienwechsel. Vor dem ich im Vorfeld so Angst gehabt hatte.es war aber nicht schlimm. Denn er fand sich schnell eine neue Familie. Am kommenden Wochenende zog ich zu meiner Gastcousine und ihrem freund. Ismael meldete sich nochmal bei mir und war erfreut über die recht einfache Lösung. Außerdem erklärte er mir, dass ein Familienwechsel kein Scheitern sondern ein Neuanfang sei. Diesen Neuanfang nutzte ich und mit der neuen Familie fing mein Auslandstrimester erst richtig an. Meine neue Familie redet viel mehr mit mir und wir unternehmen auch viel.

Gestern bin ich von einem Trip aus Murcia zurück gekommen. Wo wir die Familie meines Gastvaters besucht haben. Mit meiner jetzigen Familie und meinen neuen Freunden wird das hier noch eine tolle Zeit, die ich in vollen Zügen genießen werde. Also ich kann nur jeden ermutigen den Schritt zu wagen und einen Austausch zu machen. Es ist egal wie lange, denn ihr werdet in der Zeit so viel erleben und lernen. Für mich ist es schon jetzt eine der besten Entscheidungen in meinem Leben gewesen nach Spanien zu gehen und ich habe es auch trotz anfänglichen Schwierigkeiten nie bereut.

Wenn ihr noch Fragen habt oder mehr erfahren wollt, könnt ihr mir gerne an leamuckelkind(at)aol.com schreiben.