10 Monate an den Stränden Málagas

Wie ein Austauschjahr in Málaga gelaufen ist

Geschrieben von Katharina A. am 26. Januar 2017

„Klar kannst du gerne mit uns nach Spanien reisen!“ Antwortete mir Ismael auf die Frage, ob ein Auslandsschuljahr nach dem Abitur noch möglich sei. Dies war nämlich mein Plan, da es für mich aus vielen Gründen nicht möglich war, in der Schulzeit zu gehen und mir ein Au Pair-oder Work and Travel- Aufenthalt nicht als das Richtige für mich erschien. Voller Vorfreude fand dann auch schon das Telefon-Interview mit Ismael statt und ich wusste sofort, dass ich bei der richtigen Organisation gelandet bin. Er hatte mir viele Ängste genommen und mich genau nach meinen Vorstellungen und Wünschen gefragt. Nach meinem Wunsch, nach Andalusien zu kommen, wurde auch schon ein halbes Jahr vor meinem Abflug eine Gastfamilie gefunden, und zwar mitten in Málaga und direkt am Strand. Alles schien perfekt und die Vorfreude war riesig, auch wenn nach wie vor die Angst vor der Sprache bestand, da ich außer einem halbjährigen Volkshochschulkurs kein Spanisch konnte.

Nach meinem bestandenen Abitur ging es 3 Monate später dann auch schon los nach Barcelona zum Vorbereitungstreffen. Auch wenn es ein recht straffes Programm war, war es wirklich cool, die anderen Austauschschüler kennen zu lernen, die die Ängste mit einem geteilt haben. Gemeinsam mit den anderen Austauschschülern, die in Málaga platziert worden waren, ging es dann mit dem Zug weiter nach Málaga. Übrigens wurde ich kurz vor meiner Ausreise gefragt, ob ich etwas dagegen hätte, wenn eine Italienerin meines Alters mit mir zusammen in meiner Gastfamilie wohnen würde, da ihre Gastfamilie aus familiären Gründen kurzfristig absagen musste, was für mich überhaupt kein Problem war, da ich dachte, sie könnte mir am Anfang dann vielleicht ein paar Sachen übersetzen, da sie ja bestimmt Englisch könne. Diese Hoffnung hat sich allerdings leider nicht bestätigt, sie konnte kein Englisch, dafür aber schon fließend Spanisch und somit viel die Konversation im Zug doch sehr schwer und Zweifel machte sich breit.

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Angekommen in Málaga erschien erst alles perfekt. Unsere Gastfamilie hatte uns sehr herzlich aufgenommen und die Lage am Strand hatte mich direkt umgehauen. Leider stellten wir bald fest, dass das Interesse der Gastfamilie an uns nicht sehr groß war. Sie hatten schon viele Austauschschüler gehabt, wir waren mehr wie Besucher in ihrem Haus. Auch mit den Kindern war der Umgang immer gezwungen freundlich, obwohl wir ihnen nicht sehr wichtig erschienen. Dazu kam, dass mir die Sprache am Anfang doch sehr schwer fiel und es sehr belastend ist, wenn man Nichts versteht und sich nicht ausdrücken kann. Umso mehr hat diese Situation mich und die Italienerin zusammen geschweißt, da wir das Selbe durchmachten und sie mir sehr viel mit dem Spanisch half, da sie sehr langsam mit mir sprach und mir alles 100 Mal verständnisvoll erklärt hatte. Später war sie wie meine richtige Schwester, wir hatten oft Meinungsverschiedenheiten und die Stimmung war nicht immer perfekt, aber tief im Inneren hatten wir uns doch immer lieb.

In der Schule war es für mich ebenfalls erstmal ein Schock. Ich war aufgrund meines Alters in einem „Grado Superiror“, einem Berufsschulzweig für angehende Sekretären eingeschieben worden und verstand davon auch bis zum Ende des Jahres wirklich nur Bahnhof, da ich sehr schwierige Fächer hatte, und dazu war das Alter in der Klasse wirklich total gemischt. Von 19 bis 40 Jahren war wirklich alles dabei und da ich die Jüngste war, dachte ich, dass ich aufgrund des Altersunterschieds niemals Freunde finden würde. Diese Angst hatte sich aber letztendlich nicht bestätigt. Ich habe ein Mädchen in der Klasse gefunden, die nur ein knappes Jahr älter war als ich, mit der ich mich angefreundet hatte, die mich dann immer zu ihren Freunden mitnahm, welche später auch meine Freunde wurden. Allerdings hatte ich auch auf sie zugehen und ihr zeigen müssen, dass ich noch komplett alleine bin und auf der Suche nach Freunden bin. Aber auch der Rest der Klasse war wirklich sehr nett zu mir und manchmal sind gerade mit den älteren Frauen super interessante Gespräche entstanden.

Die oben genannte Klassenkameradin nahm mich wirklich überall mithin, sei es zum Feiern, zum gemeinsamen Abendessen oder entspannt in einer Bar sitzen. Über die Monate bauten sich dann so langsam echte Freundschaften auf, da Alle sehr viel Verständnis mit mir hatten und mir alle Wörter und typisch kulturelle Dinge erklärt hatten. Ich fing an, immer weniger Zeit mit meiner Gastfamilie und immer mehr mit Ihnen zu verbringen, da ich die Hoffnung in meine Gastfamilie inzwischen aufgegeben hatte. Ich war auch viel in den Familien meiner Freunde, welche wirklich alle sehr herzlich zu mir waren. Dennoch hatte ich einen Gastfamilienwechsel nie gewagt, da ich Angst hatte, ins Abseits von Málaga und weit weg von meinen Freunden platziert werden zu würden, was ich mittlerweile sehr bereue. Deswegen gebe ich euch mit- wenn ihr euch nicht wohlfühlt, wechselt! Es ist es nicht wert, in einer Familie auszuhalten, in der man sich nicht willkommen fühlt.

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Dennoch hatte ich ein unfassbar lehrreiches und auch wirklich tolles Jahr, trotz so einiger Tiefpunkte. Gerade die letzten 3 Monate haben mich mit meinen Freunden unglaublich zusammen geschweißt, dass ich sie wirklich meine echten Freunde nennen kann. Außerdem habe ich zum Sommer hin besonders die Vorzüge der Stadt genossen, da Málaga einfach wirklich Alles zu bieten hat. Ich bin sehr viel reifer, selbstständiger und auch sehr viel lockerer geworden, da es Spanier mit der Disziplin und Pünktlichkeit nicht so ernst nehmen. Dazu habe ich denke ich wirklich sehr gut Spanisch gelernt, ich verstehe wirklich Alles und kann mich auch ohne Mühe unterhalten, was ich so nicht erwartet hätte. Außerdem habe ich meine Tanzkenntnisse noch deutlich erweitert, da ich bereits in Deutschland jahrelang Ballett getanzt hatte und dies in Spanien auch weiter machte, was eine super tolle Erfahrung war.

Insgesamt kann ich sagen, dass es eine unvergleichliche Erfahrung war und ich es jederzeit wieder tun würde. Ich vermisse meine spanischen Freunde, das Ambiente und die Stadt wirklich sehr. Ich bereue es auch kein Stück, ein ganzes Jahr gegangen zu sein, was ich auch Jedem ans Herz legen würde. Außerdem habe ich mich von Interkultur immer gut betreut gefühlt und hätte sicher einen Wechsel ermöglich bekommen, hätte ich danach gefragt.

Wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr mir gerne eine E-Mail schreiben: katharina.axthelm(at)gmx.de oder schaut doch mal in meinen Blog: kathasyearabroad.blogspot.de

Hasta luego