Erfahrungsbericht aus Madrid 2013

¡Hola y saludos de España!

Geschrieben von Katharina P. am 2. Januar 2014

Ich heiße Katharina, bin 15 Jahre alt und verbringe seit September ein Auslandshalbjahr in der Nähe von Madrid.

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Was mir am Anfang wie eine Ewigkeit vorkam, ist jetzt schon wieder so gut wie um – nur noch ein Monat bleibt mir hier von meinem Auslandssemester in Spanien und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Klar freue ich mich schon wieder total auf meine Familie und Freunde in Deutschland, aber auch hier in Spanien habe ich jetzt Freunde und ich weiß jetzt schon, dass der Abschied sehr traurig werden wird und auch der Abschied von meiner Gastfamilie wird nicht so leicht werden. Immerhin lebe ich seit mehr als drei Monaten mit ihnen zusammen und ich werde es echt vermissen von meinem Gastpapa und meinem Gastbruder erschreckt zu werden oder mit meiner Gastmama Tee zu trinken. Auch wenn meine Anfangszeit echt nicht leicht war für mich, finde ich es hier jetzt umso schöner.

Als ich hier nach Spanien gekommen bin, konnte ich wirklich so gut wie gar kein Spanisch und das in Kombination mit meinem Perfektionismus hat mir die Anfangszeit echt schwergemacht. Als ich mich im April 2013 für ein Auslandshalbjahr in Spanien entschieden habe, hatten alle Spanischkurse in meiner Umgebung schon angefangen. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig, als mir selber zumindest die grundlegendsten Basiskenntnisse beizubringen. Also lernte ich mit einem Buch und dazugehörigen CDs spanisch, aber vor allem in den Sommerferien ließ meine Motivation dazu leider öfters zu wünschen übrig und im Endeffekt war das echt ein Witz, was ich dann bei Abflug sagen konnte. Wegen meinem Perfektionismus wollte ich aber trotzdem von Anfang an alles richtig sagen und habe dementsprechend wenig geredet. Ein großer Fehler, wie ich inzwischen weiß. Um eine Sprache zu lernen, muss man reden reden reden und Fehler machen – wirklich! Irgendwann habe ich das dann auch kapiert und ich rede zwar immer noch nicht wie ein Wasserfall, aber auf jeden Fall mehr als am Anfang.

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Auch hätte ich nicht gedacht, dass es so schlimm für mich sein wird, nichts zu verstehen. In meinen ersten zwei Wochen, ja eigentlich sogar den ganzen ersten Monat, habe ich eigentlich fast jeden Tag deswegen in der Schule geweint. Aber auch das wird besser. Ich versprech’s euch. Jeden Tag versteht man ein bisschen mehr und inzwischen verstehe ich auch ungefähr 85-90% von dem, was meine Freunde oder meine Gastfamilie redet und ich bin echt stolz auf mich behaupten zu können, dass ich inzwischen fast alles sagen kann, was ich will, auch wenn mir noch sehr sehr viele Wörter fehlen und ich die wildesten Umschreibungen benutzen muss und ich auch noch meilenweit von fließend sprechen entfernt bin.

An was ich mich auch erst gewöhnen musste, ist, dass die Schüler hier sehr viel lernen – viel mehr, als ich es von Deutschland kenne. Gut, vielleicht liegt es daran, dass ich in einer bilingualen Klasse bin, das heißt, wir haben ein paar Fächer auf spanisch und ein paar auf englisch, und die Spanier für die Fächer auf englisch mehr lernen müssen, wohingegen diese für mich einfacher sind als die spanischen. Aber auch andere Austauschschüler haben gemeint, dass ihre Mitschüler sehr viel lernen. Deswegen ist es auch ein bisschen schwierig sich mit Freunden zu treffen. Unter Woche hat eigentlich nie jemand Zeit und am Wochenende meistens nur einen Tag, weil viele Familien zum Beispiel den Sonntag als Familientag haben. Aber wenn ich mich mit meinen Freunden treffe, dann haben wir immer sehr viel Spaß. Allgemein sind alle hier total nett! Gleich am ersten Schultag hat mich eine Gruppe von Mädchen – meine heutigen Freundinnen – gefragt, ob ich mit ihnen die Pause verbringen will und nach zwei Wochen war ich schon auf der ersten Geburtstagsparty. Auch haben sich alle bemüht, mit mir ganz langsam zu reden und nur mit einfachen Wörtern oder sie haben mir Sachen ins Englische übersetzt, wenn ich sie nicht verstanden habe.

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Ich kann es wirklich jedem empfehlen einen Austausch zu machen. Auch wenn nicht immer alles perfekt ist, – aber ehrlich, dass wäre doch auch sehr naiv zu glauben, dass immer alles toll sein wird – man wächst an den scheinbar negativen Erfahrungen und man lernt so viel über sich selbst und über seine Mitmenschen. Und im Endeffekt überwiegen auch die positiven Erlebnisse und man kann danach super stolz auf sich sein, dass man das alles gemeistert hat.

Falls ihr irgendwelche Fragen habt, könnt ihr mir gerne eine Email schreiben oder in meinem Blog www.espanolaprincesa.blogspot.de stöbern.
Abrazos, Katharina