Das Leben in einer Gastfamilie

Vergleichbar mit Bergsteigen, oder etwas nicht?

Geschrieben von Ismae Nieto Martinez am 27. Dezember 2014

Das Bergsteigen und das Leben in einer Gastfamilie. Was zum Henker haben diese beiden Sachen miteinander zu tun? Nicht wahr?

Nichts und Vieles.

Hast Du schon mal einen Berg bestiegen? Ich persönlich nicht.

Neulich habe ich aber im Internet eine Definition von Bergsteigen gelesen, die mir direkt zu denken gegeben hat:

Hey, das habe ich schon mal erlebt!

Die Definition besagte:

Bergsteigen ist eine Art von Abenteuer und Erlebnis zugleich, wo es darum geht, hohe Berge zu bezwingen, den Gipfel zu erstürmen und die Aussicht zu genießen.

Dank meiner Arbeit habe ich viele Gastfamilien und Schüler kennengelernt. Auch viel gehört über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Und, was diese Definition betrifft, kann ich dir folgendes versichern:

das Zusammenleben mit einer Gastfamilie und das Bergsteigen sind erstaunlich ähnlich… natürlich, was das Prinzip angeht.

In den nächsten Zeilen möchte ich Dir gerne erklären, warum ein Austauschschüler eine Art Bergsteiger wird.

Das Leben in einer Gastfamilie ist wie ein Abenteuer.

Ist es wirklich ein Abenteuer? Ich glaube schon.

Zunächst mal besitzen alle Austauschschüler zwei Eigenschaften, die jeden Abenteuer Kennzeichen:

großen Mut>
und
gespannte Ungewissheit

Du musst mir Recht geben! Sich für einen Auslandsaufenthalt zu entscheiden und mit einer “fremden” Familie zu wohnen, erfordert zuerst MUT.

Oder etwa nicht?

Man muss sich beispielsweise mit der Bewerbung zutrauen: “Mache ich das oder mache ich das nicht?”, “Kann ich genug Spanisch?”.

Letztendlich wird man eine längere Zeit bei “Unbekannten” unterkommen: “Werden sie mir eine gute Familie finden?”, “Wird die Familie nett sein?, “Werden wir uns verstehen?

Das Ganze ist, wie Du siehst voll von Ungewissenseiten geprägt.

Das erste Treffen mit der Gastfamilie sorgt gleichfalls für Unsicherheiten: “Was soll ich tun?”, “Soll ich Du oder Sie sagen?” “Soll ich küssen, Hand strecken oder mich vorbeugen?” 😉

Wie gesagt, Mut und Unsicherheiten sind bei Austauschülern die Regel.

Leben-in-einer-Gastfamilie

Als zweitens, das Zusammenleben mit der Gastfamilie ist eine Art von Auffahrt ins Ungewisse, wie bei jeder guten Abenteuerreise.

Stellt Dir mal vor, Du verlässt Dein gewöhntes Umfeld, Deine Freunde und Deine Familie, um ins Ausland zu gehen und bei “noch-nie-vorher-gesehenen” Leute zu wohnen.
Die Menschen, die Kultur und die Sprache sind Dir nicht geläufig. Du möchtest aber unbedingt etwas anders sehen und erleben. Du weißt im Voraus nicht, was auf Dich zukommt. Dazu noch eine neue Schule und neue Freunde.

Alles neu und unerforscht!

Jeder Tag wird eine neue Herausforderung voller neuen Entdeckungen und tollen Erfahrungen sein.

Wie gesagt, ein ABENTEUER!

Der Alltag muss bezwungen werden

Um den Gipfel zu bezwingen muss der Bergsteiger hinaufsteigen.

Der Aufstieg beginnt: der Alltag mit der Gastfamilie.

Ankunft und das erste Treffen mit den Familienmitgliedern sind schon vorüber. Die Verständigung, die Integration oder das Vertrauen sind noch ferne Ziele, die Nur durch Anstrengung und Wille zu erreichen sind. Davor liegt der Weg.

Wie sieht aber der Weg aus? Auf jeden Fall verläuft dieser nicht glatt und geradeaus aufwärts.

Das Steigen eines Berges ist mit Umwegen, Vorsprüngen und Hindernissen verbunden. Genauso verläuft das Leben mit einer Familie in einem Gastland. Die Tage, die Routinen und die Kommunikation unterscheiden sich stark von zu Hause: denn eine Gastfamilie denkt und handelt nämlich NICHT wie Du.

Austauschschueler-mit-Gastfamilie

Ihre Sichtweise, Alltag und Gewohnheiten sind andere, wie zum Beispiel beim Essen oder sogar beim Duschen. Ihr Leben ist für sie eine Selbstverständlichkeit.

Der Gast bringt hingegen seine unterschiedlichen Gewohnheiten, seine Ansichten, und seine Erwartungen mit. Der Alltag ist für den Gast neu und unbekannt.

Der Gastschüler ist hierzu aufgerufen, sich umzustellen, um mit den Familienmitgliedern klarzukommen.

Das passiert allerdings nicht von heute auf morgen. Alle Beteiligten müssen sich erstmal kennenlernen und nach und nach ihre Beziehung aufbauen. Missverständnisse und Sprachschwierigkeiten sind das tägliche Brot. Es kostet Zeit und VIEEEEL Geduld (von beiden Seiten wohl gemerkt ).

Der Weg entpuppt sich als ein mühseliges Prozess, den der Austauschschüler Schrittweise nach oben führt und dessen größten Gewinn sich im Handeln und in seiner Persönlichkeit sichtbar machen wird.

Wie man nach oben kommt, sage ich gleich.

Mit Wille zum Ziel

Der Weg zum Gipfel mag wohl an manchen Tagen nicht leicht zu erreichen erscheinen, aber wie sagt man so schön?

No pain, No gain!

Trotz Schwierigkeiten ist der Gipfel erreichbar. Wie?

Mit der richtigen AUSRÜSTUNG!

Im “Rucksack” sollte man folgendes mitnehmen:

  • KOMMUNIKATION
  • LERNBEREITSCHAFT
  • ANPASSUNGSFÄHIGKEIT
  • und MOTIVATION bzw. WILLE

Kommunikation ist das Fundament, worauf sich alle Austauschprogramme stützen. Ohne sie läuft GAR NICHTS (Glaub mir mal).

Bei Kommunikation geht es um Verständigung, mit Zeichen und mit der Sprache. Und tatsächlich ist es so. Schüler und Gastfamilie müssen sich verstehen. Nur so können sie in Einklang zusammenleben.

Ohne Zweifel, die Verständigung ist anfangs langsam und beschwerlich. Die Spanier reden in der Regel wenig oder gar kein Englisch (geschweige Deutsch). Und die Austauschschüler wenig Spanisch. Also?

Mut zur Lücke und vorwärts!

Jedes Mittel soll recht sein, um sich zu verständigen: Zeichen, Wörterbücher, Translators, gebrochenes Spanisch, Füße, Hände. Hauptsache: “vorankommen”.

Dafür ist Lernbereitschaft ein MUSS. In kürzer Zeit muss man viel aufzunehmen. Fehler, Missverständnisse und Hemmung sind die Regel. Aber durch Hören, Sprechen und viel, viel Fragen stellen, wird es in kürzer Zeit aufwärts gehen.

Aufgepasst: Hemmungen sind die größte Last jedes Austauschschülers.

Große Menge an Anpassungsfähigkeit sind ebenfalls notwendig. Man soll sich in der Lage bzw. Sichtweise des Gegenüberliegendes setzen zu können.

Das ist meiner Meinung nach die größte Herausforderung und auch das Salz in der Suppe in einem Austauschprogramm.

Außer Frage! Die Sprache ist wichtig.

Zeit und Übung bringen jedenfalls in Kürze erstaunliche Sprachfortschritte.

Die Beziehung Gastfamilie-Gastschüler sieht anders aus. Da ist der Gast gefordert. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe machen die Verständigung in aller Hinsichten nicht immer leicht.

Der Wille bzw. die Motivation seitens Austauschschülers spielt eine entscheidende Rolle. Wenn der Gastschüler das will, d.h. auf Spanisch zu sprechen, sich zu integrieren oder die andere Seite zu verstehen versuchen, werden die Schwierigkeiten kleiner erscheinen und leichter zu überwinden sein.

Mit Lust und Laune schafft man alles. Oder etwa nicht?

Der Gipfel des Berges ist nur der Beginn

Am Ende des Weges steht der “Gipfel”, das wofür der Bergsteigers hart gekämpft hat und dessen Aussicht mit Stolz und lauter Freude erfüllt.

Ein Austauschschüler blickt gleichfalls mit Glück und Zufriedenheit auf seine Leistung zurück:

  • Sprachkenntnisse: Spanisch sprechen fällt nicht schwer
  • Kulturelle Kenntnisse: Vertrautheit in Umgang mit anderen Gewohnheiten und Sitten
  • Selbstvertrauen: Man kann mit schwieriger Situationen umgehen und zurecht kommen
  • Empathie: Verständnis und Respekt für die Ansichten der anderen
  • Reife: Selbstständigkeit und Anpassungsfähigkeit

Das ist eine unglaubliche Belohnung für die Ausdauer und die ganzen Bemühungen während des Aufenthalts.

Es ist aber kein Ende, sondern ein neuer Anfang!!

Die Aussicht ermöglicht auf ferne Gipfel und unbekannte Bergen Ausschau zu halten. Durch den Reifungsprozess, der jeder Gastschüler durchlebt, verändert sich sein Weltbild und seine Perspektiven. Diese werden weitläufiger. Neue Herausforderungen bahnen sich in gutem Bergsteigersinn an. Denn nach jedem eroberten Berg steht ein neuer Gipfel bevor, der darauf wartet, bezwungen zu werden.

Was glaubst Du? Stimmt das oder haben beide Sachen absolut nichts miteinander zu tun?

Mich würde Deine Meinung interessieren. Schreib Mal Deine Kommentare dazu.

Gracias y Saludos